Zen Gedichte – Ryókan
Folgende Zen-Gedichte können wir durch die großzügige Genehmigung
des Werner Kristkeitz Verlages, aus dem Buch
“Eine Schale, ein Gewand” Zen-Gedichte von Ryòkan
hier veröffentlichen.
ISBN 3-921508-75-4
www.kristkeitz.de
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Eines Nachmittags im Frühling bemerkte Ryókan drei Bambustriebe,
die unter seiner Veranda wuchsen.
Bambus wächst schnell, und so drückten die Triebe
bald gegen den Boden seiner Veranda.
Ryókan war sehr besorgt,
denn er wollte nicht, dass irgendwelche Wesen,
Pflanzen eingeschlossen, leiden müssen.
So schnitt er drei Löcher in den Boden und sagte den Bambustrieben,
dass sie sich keine Sorgen machen sollten
falls notwendig,
würde er auch ein Loch ins Dach schneiden.
Und wieder einmal war er glücklich.
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Gedichte von Zen Meister Ryókan ( 1758-1831 )
Nicht viel, um es dir anzubieten
nur eine Lotusblüte, schwimmend
In einem kleinen Gefäß mit Wasser

Der Regen hat aufgehört, die Wolken sind weggezogen,
und der Himmel ist wieder klar.
Wenn dein Herz rein ist,
dann sind alle Dinge deiner Welt rein.
Gib diese vergängliche Welt auf, gib dich selbst auf.
Dann werden der Mond und die Blumen
dir den Weg weisen.
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Ein Abendtraum – es muss wohl alles eine Illusion gewesen sein;
Nicht einmal einen Teil dessen, was ich sah,
kann ich treffend erklären.
Und doch schien mir im Traum, als ob die Wahrheit
direkt vor meinen Augen läge.
Heute Morgen, wach –
ist das nicht derselbe Traum?
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Erneut tauchen viele gierige Menschen auf,
Nicht anders als
in Kokons eingesponnene Seidenraupen.
Wohlstand und Reichtum sind alles was sie lieben,
Niemals geben sie Geist noch Körper
einen Augenblick der Ruhe.
Jedes Jahr verdirbt ihr Wesen mehr,
Während ihre Einbildung weiter zunimmt.
Eines Morgens kommt der Tod,
Bevor sie auch nur
die Hälfte ihres Geldes verbraucht haben.
Andere empfangen glücklich das Erbe,
Und der Name des verstorbenen ist bald
in der Dunkelheit verloren.
Für solche Menschen
kann man nur großes Mitgefühl empfinden.



