Ryókan

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Eine kalte Nacht

Ich sitze allein in meinem leeren Raum
Erfüllt nur vom Duft der Räucherstäbchen

Draußen ein Bambushain mit hundert Bäumen

Auf dem Bett einige Gedichtbände
Der Mond scheint durch das kleine Fenster
Und die ganze Umgebung ist still
Bis auf das Rufen der Insekten

Angesichts dieser Stimmung – unbegrenztes Gefühl
Aber nicht ein Wort

*

Meine Hütte liegt mitten in einem dichten Wald
Jedes Jahr wächst der Efeu höher
Keine Neuigkeiten von den Angelegenheiten der Menschen
Nur gelegentlich das Lied eines Holzfällers

Die Sonne scheint und ich flicke meine Robe
Wenn der Mond hervorkommt lese ich buddhistische Gedichte
Ich habe nichts zu berichten meine Freunde

Wenn ihr den Sinn des Lebens herausfinden wollt
Dann hört auf hinter so vielen Dingen herzujagen

*

Nach einer Regennacht
bedeckt Wasser den Pfad ins Dorf

Heute Morgen ist das dichte Gras bei meiner Hütte kühl

Im Fenster ferne Berge in der Färbung blaugrüner Jade
Draußen strömt ein Fluss wie schimmernde Seide
Unter einem Felsen nahe meiner Hütte wasche ich
mit klarem Quellwasser mein schmerzendes Ohr

In den Bäumen rezitieren die Grillen ihre Herbstgedichte

Ich hatte Robe und Stab zurechtgelegt für den Weg
Aber die stille Schönheit hält mich hier

*

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